Blog
Wie man eine Gin-Verkostung plant, die niemand vergisst
Vor zwei Jahren kam ein Kunde zu mir. Er hatte zehn Flaschen Gin gekauft – ohne Plan, nur nach dem Preis. Die Verkostung mit Freunden endete chaotisch. Nach dem dritten Glas konnte keiner mehr die Unterschiede schmecken. Am nächsten Tag schrieb er mir: „Hilf mir, das beim nächsten Mal besser zu machen.” Ich habe ihm gezeigt, wie man eine kleine, feine Auswahl trifft. Eine gute Anlaufstelle für die Orientierung ist www.gin-kingdom.net, wo man nach Regionen und Stilrichtungen filtern kann, statt blind zu kaufen. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern die bewusste Entscheidung für drei bis fünf Gins, die sich wirklich voneinander unterscheiden.
Warum eine klare Auswahl entscheidend ist
Ein anderer Kunde lud zu einer „Gin-Nacht” mit sieben Sorten ein. Nach der Hälfte tranken alle nur noch Tonic, nicht mehr den Gin. Die Geschmacksprofile verwischten. Ich empfehle maximal vier Gins pro Abend. Das reicht, um Kontraste zu zeigen: einen klassischen London Dry, einen weicheren Old Tom, einen würzigen Navy Strength und einen floralen New Western. Jeder Gast kann zwei Probiergläser à 20 Milliliter trinken, ohne die Nase zu betäuben. So bleibt der Abend lehrreich und gesellig.
Die fünf wichtigsten Stilrichtungen, die man kennen sollte
Viele Verkoster unterschätzen die Vielfalt. Wer nur einen Gin kennt, verpasst viel. Der London Dry – herb, mit Wacholder im Vordergrund – ist die Basis. Der Old Tom ist süßer, fast sirupartig, ideal für Cocktails. Plymouth Gin kommt nur aus einer bestimmten Region und hat eine erdige Note. Navy Strength hat einen höheren Alkoholgehalt und brennt angenehm auf der Zunge. Und New Western Gins setzen statt Wacholder auf exotische Botanicals wie Grapefruit oder schwarzen Tee. Ich habe mit einem Kunden einmal drei dieser Stile parallel verkostet. Er mochte sonst nur London Dry, aber der New Western aus einem kleinen Berliner Brenner hat ihn überrascht. Solche Momente entstehen nur durch eine durchdachte Auswahl.
Was man bei der Verkostung beachten muss
Die Temperatur des Gins ist entscheidend. Zu kalt, und die Aromen verschwinden. Zimmerwarm funktioniert nicht, weil der Alkohol dann zu aggressiv wirkt. Idealerweise serviert man den Gin bei 15 bis 18 Grad. Das erreicht man, indem man die Flasche eine halbe Stunde vorher aus dem Kühlschrank nimmt. Gläser mit schmalem Rand – wie ein Nosing-Glas oder ein Tulpenbecher – konzentrieren die Düfte. Ich rate, zwischen den Proben ein Glas stilles Wasser zu trinken und ein Stück Weißbrot zu essen. Das neutralisiert die Zunge. Ein Kunde probierte das und stellte fest, dass er einen Gin, den er anfangs langweilig fand, plötzlich als komplex wahrnahm.
Wie man eine kleine Verkostung zum Erfolg führt
Der Ablauf ist einfach, wenn man ihn vorher plant. Laden Sie drei bis fünf Gäste ein – nicht mehr, sonst wird es laut. Wählen Sie ein Thema, etwa „Gin von beiden Seiten des Atlantiks” oder „Wacholder versus Botanicals”. Bereiten Sie einen Kurzsteckbrief zu jedem Gin vor: Herkunft, Hauptbotanicals, Alkoholgehalt. Jeder Gast bekommt eine Karte, auf der er Noten nach Aroma, Geschmack und Finish bewertet. Danach vergleichen Sie die Ergebnisse. Am Ende stimmen Sie ab, welcher Gin am besten zu einem bestimmten Essen passen würde. So entsteht eine Diskussion, die mehr bringt als nur Trinken.
- Drei bis fünf Gins nach Stil und Herkunft auswählen
- Neutrale Nosing-Gläser oder kleine Weingläser verwenden
- Wasser und Weißbrot als Geschmacksneutralisierer bereitstellen
- Jeder Gast bekommt eine Bewertungskarte mit Kategorien
- Probierportionen auf 20 Milliliter begrenzen
Eine gut geplante Gin-Verkostung wird schnell zum Lieblingsritual. Die Gäste lernen nicht nur neue Sorten kennen, sondern auch, worauf sie selbst achten. Und der Gastgeber muss keine zehn Flaschen kaufen, sondern kann sich auf wenige, besondere Stücke konzentrieren. In meiner Beratung sehe ich immer wieder, dass die Freude am Gin wächst, wenn man ihn bewusst und in Gesellschaft genießt.



